Ausgabe vom 10.12.2002
Nie wieder Aktenberge
Wie Sie vom "Volltischler" zum "Leertischler"
werden.
Überquellende Schreibtische gehören für viele zum
Alltag. Wie man sich das Büroleben auf Dauer erleichtern kann.
Wann hatten Sie das letzte mal freie Sicht auf Ihre Schreibtischoberfläche?
Papierstapel führen zu langen Suchzeiten und peinlichen Situationen
und dennoch gibt es sie fast überall.
Fass ohne Boden
Woran liegt das? Eine schlecht organisierte Ablage ist erfahrungsgemäß
einer der Hauptgründe für ein Schreibtisch-Chaos. Motto:
„das lege ich später ab, im Moment weiß ich nicht
genau wohin damit“.
Ein Fehler ist es auch, einen Vorgang nicht sofort zu bearbeiten,
sondern ihn zuerst einmal auf den Stapel „später erledigen“
zu legen.
All diese Stapel belasten die tägliche Arbeit und rauben unnötig
Energie. Denn kaum hat man einen der Akten- oder Papierberge abgearbeitet,
ist zwischenzeitlich wieder ein neuer entstanden - ein Fass ohne
Boden.
Informations-Handling kostet 25 Prozent
der Arbeitszeit
Dabei kostet das reine Informations-Handling, also Suchen, Bereitstellen,
Sortieren, Ordnen, Ablegen, durchschnittlich 25 Prozent der verfügbaren
Arbeitszeit. Bei einem achtstündigen Arbeitstag sind das immerhin
zwei Stunden.
Je chaotischer Ihr bisheriges Schreibtischmanagement ist, desto
mehr Zeit und damit Geld verschleudern Sie.
Ordnung ist das halbe Leben
Wie werden Sie nun zum dauerhaften „Leertischler“?
Stapeln Sie alle losen Papiere, die sich in Ihrem Büro befinden,
einschließlich der Unterlagen auf der Fensterbank, in den
Regalen und Schränken, sowie in den Schreibtisch-Containern
auf einem Berg!
Anschließend werfen Sie alles weg, was Sie definitiv nicht
mehr benötigen. Nur Mut, Sie werden sehen, um wie viel kleiner
der Stapel schon jetzt geworden ist.
Den Rest sortieren Sie nach:
- Ablage bekannt (sie wissen wo Sie das Papier ablegen müssen)
- Ablage unbekannt (sie haben keine Ahnung wo das Papier einzusortieren
ist)
- Aktivitäten.
Die bekannte Ablage sortieren Sie sofort ein. Was mit dem Rest
geschieht, erfahren Sie weiter unten.
Erstellen Sie eine sinnvolle Ablagestruktur
Um eine perfekte Ablage zu organisieren, müssen Sie auf folgende
vier Fragen die richtige Antworten finden:
- Wo sollen die Unterlagen abgelegt werden?
- Was wird abgelegt?
- Wie lange wird abgelegt?
- Wie wird abgelegt?
Erstellen Sie sich hierzu am besten einen Ablageplan,
beispielsweise mit einer speziellen Arbeitstechnik namens „MindMapping“.
Suche erleichtern
Grundsätzlich sollte
- der Zugriff nach eindeutigen Suchbegriffen erfolgen können.
(z. B. Buchhaltung, Kunden, Verträge, Allgemein etc.)
- für alle Benutzer die Ablage gleich transparent sein. Hierzu
hängen Sie für alle sichtbar einen verständlichen
Ablageplan auf
- der Ordnungsrahmen erweiterungsfähig sein, damit neue Inhalte
und Aufgaben hinzugefügt werden können
- der „Parkplatz“ eines Schriftgutbehälters fixiert
sein - das heißt, er muss im Gesamt-Zusammenhang immer an
derselben Stelle stehen.
Die Suche erleichtern Sie sich, indem Sie mit Farben oder Symbolen
arbeiten (z. B. für jeden Suchbegriff eine feste Ordnerfarbe
oder ein bestimmtes Symbol auf dem Rückenschild)
Nicht überorganisieren
Achten Sie darauf, nichts überzuorganisieren. Der zu treibende
Aufwand muss in einem vertretbaren Verhältnis zum zu erwartenden
Erfolg stehen.
Überarbeiten Sie auch Ihre PC-Ablage. Sinnvoll ist es, wenn
Papier- und EDV-Ablage nahezu die gleiche Struktur aufweisen.
Wenn die komplette Papier und PC-Ablage durchstrukturiert und geordnet
ist, sollte im nächsten Schritt geprüft werden, inwieweit
ein „papierloses“ Büro sinnvoll beziehungsweise
wünschenswert ist.
Jetzt können Sie auch Ihren Stapel Ablage unbekannt einsortieren.
Drei Ablagekörbe
Beschaffen Sie sich drei Ablagekörbe und beschriften Sie wie
folgt:
- Eingang
- Tagesaktivitäten
- Ausgang
Arbeiten Sie eingehende Dokumente nach folgendem System ab:
Sammeln sie alle eingehenden Informationen ausschließlich
in Ihrem Eingangskorb. Leeren Sie ihn je nach Bedarf mehrmals am
Tag. Abends sollte er leer sein.
Treffen Sie danach eine der folgenden Entscheidungen. Lassen Sie
sich keine Wahl! Es gibt nur diese vier Möglichkeiten:
- Kann ich den Posteingang wegwerfen? Wenn nicht,
- Kann ich ihn ablegen? Wenn nicht,
- Kann ich ihn weiterleiten oder delegieren? Wenn nicht,
- Wie und wann werde ich ihn bearbeiten?
Möglichkeit 1: wegwerfen
Nutzen Sie mutig Ihren Papierkorb werfen Sie alles weg:
- was Sie unproblematisch ersetzen können - im Internet /
Intranet findet Sie fast alles.
- was für Sie von geringem Wert oder Interesse ist,
- was Sie nur zur „Kenntnis“ erhalten haben
Möglichkeit 2: ablegen
- Nachdem Sie mit Hilfe oben genannter Tipps eine perfekte Ablagestruktur
eingerichtet haben, fällt es Ihnen bestimmt nicht schwer,
den richtigen Platz für den Posteingang zu finden.
- Machen Sie die Ablage möglichst sofort, denn meist brauchen
Sie nicht mehr als 5 Minuten dazu. Denken Sie daran, dass das
„Parken“ von Informationen zu den schlimmsten Zeitfressern
und Stapelproduzenten überhaupt gehört.
Möglichkeit 3. weiterleiten oder delegieren
- Sammeln Sie die Unterlagen in Ihrem Ausgangskorb.
- Verteilen Sie die Unterlagen im Laufe des Tages an die Personen
die hierfür zuständig sind.
- Bringen Sie bei Bedarf entsprechende Vermerke an.
Möglichkeit 4: selbst bearbeiten
- Aufgaben, die Sie innerhalb von 3-4 Minuten erledigen können,
sollten Sie sofort erledigen.
- Alle übrigen Vorgänge, die Sie selbst am gleichen
Tag bearbeiten wollen oder müssen, sammeln Sie im Korb „Tagesaktivitäten“.
Dieser sollte am Abend leer sein.
- Aufgaben, die sie zu einem späteren Zeitpunkt zu erledigen
haben, legen Sie auf Termin (Wiedervorlage). Bringen Sie einen
entsprechenden Vermerk in Ihrem Timer (Terminkalender oder PDA)
an.
Zum Schluss entledigen Sie sich Ihres letzen Stapels, mit dem Titel
„Aktivitäten“. Arbeiten Sie ihn nach den Möglichkeiten
3 und 4 ab.
An Datensicherung denken
Falls Sie einen Minicomputer (PDA) nutzen, denken Sie unbedingt
an die Datensicherung. Wenn Sie Pech haben, und das Gerät streikt
oder abhanden kommt, sind die Termine sonst gegebenenfalls dauerhaft
verloren.
Jedes Arbeitsmittel hat seinen Platz
Auf Ihrem Schreibtisch sollten sich nur Arbeitsmittel befinden,
die Sie ständig im Gebrauch haben. Die übrigen platzieren
Sie ordentlich in unmittelbarer Nähe, zum Beispiel in einem
Schreibtisch-Container. Legen Sie nach Gebrauch die Dinge immer
wieder an ihren Platz zurück.
Jetzt ist Ihr Schreibtisch aufgeräumt und wenn Sie sich die
Ordnung und oben genannte Arbeitsabläufe zur täglichen
Routine machen, bleibt er garantiert auch dauerhaft geordnet.
Eine Checkliste zum Thema Arbeitsplatzorganisation finden Sie hier.
Sonja Welzel
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